Tipps & Tricks

25.08.25

Skandinavische Länder sind bekannt für ihr innovatives Bildungssystem. Doch wie genau wird an den dortigen Hochschulen die Lehrqualität gefördert und gesichert? HD-Referent Michael Sommer hat sich im Rahmen von Erasmus+ an der Aalto-Universität nahe Helsinki einen Eindruck verschafft.

Ein moderner Klinker-Bau am Stadtrand, gut erreichbar mit der Metro und gelegen in ruhiger, parkähnlicher Umgebung. Menschen laufen umher, trinken Kaffee oder sitzen in Lounge-Bereichen. Das Foyer prägt ein großer Schriftzug, der wie ein Stoppschild im Alltagstrubel wirkt: „What don’t we see even though we should?“ 

Die Aalto-Universität will Gamechanger für morgen ausbilden. Sie erhielt als erste in Finnland den Status exzellent und ist mit 17.000 Studierenden und Lehrenden aus über 100 Ländern eine der internationalsten Hochschulen Europas. Benannt nach dem finnischen Architekten Alvar Aalto, der die ersten Gebäude auf diesem Campus gestaltete, ist die Hochschule 2010 aus der Fusion der Technischen Universität Helsinki, der Handelshochschule Helsinki und der Hochschule für Kunst und Design hervorgegangen. Was wie ein loses Sammelsurium an Fachrichtungen klingt, eröffnet viel Raum für Interdisziplinarität und Austausch.

Welchen Stellenwert hat Lehre?
An der Aalto-Universität wird die Lehrqualität gleichberechtigt neben exzellenter Forschung und der Wirkung für Gesellschaft und Umwelt als strategisches Ziel gesetzt. Alle Aktivitäten der Hochschulangehörigen müssen auf diese drei Kernelemente ausgerichtet sein. In sämtlichen Maßnahmen des Qualitätsmanagements wird immer wieder darauf Bezug genommen. Gleichzeitig werden Nachhaltigkeit, forschungsorientierte sowie zukunftsorientierte Lehre als Standards gesetzt, die es zu verfolgen gilt. 

Wie werden die besten Lehrenden gefunden?
Die Sicherung der Lehrqualität beginnt an der Aalto-Universität schon bei der Personalauswahl. Bewerber*innen, die in der Lehre tätig sein wollen, müssen sich innerhalb des intensiven Bewerbungsverfahrens einer Überprüfung der Lehrkompetenz unterzeihen – das heißt einer Lehrprobe mit realen Studierenden und einem anschließenden Interview mit Hochschuldidaktiker*innen. Dort wird auch das Lehrportfolio besprochen, das im Vorfeld eingereicht werden musste. Objektive und transparente Kriterien verdeutlichen den Bewerber*innen, worauf die Hochschule wert legt. War die Bewerbung erfolgreich, so werden die Professor*innen oder Lektor*innen befristet angestellt und müssen nach 2-5 Jahren bei einem Überprüfungstermin unter Beweis stellen, dass sie ihre Lehrkompetenz entwickelt haben und das Lernen der Studierenden bestmöglich unterstützen. Nur dann erhalten sie eine unbefristete Anstellung.

Wie wird die Qualität der Kurse gesichert?
Rückmeldungen werden an der Aalto-Universität als enorm wertvoll betrachtet. Nicht nur die Lehrenden sind aufgefordert, den Studierenden regelmäßig formatives Feedback zu ihren Kompetenzständen zu geben bzw. Peer-Feedback anzuregen, sondern auch das Feedback der Studierenden wird als essenziell angesehen bei der Weiterentwicklung der Lehre. Hierfür werden die Studierenden in jedem Kurs mit einem kurzen Fragebogen um Rückmeldung gebeten. Durch Items wie „I understood, what I was expected to learn in this course“ wird der Fokus des Feedbacks auf die Selbsteinschätzung zum Lernfortschritt gelegt und wie dieser aus Sicht der Studierenden von den Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Die Ergebnisse des studentischen Feedbacks werden am Ende des Semesters bei einem Meeting aller Lehrenden eines Studienganges präsentiert und analysiert. Hier werden bei kritischem Feedback auch Maßnahmen abgeleitet.

Wie werden Curricula weiterentwickelt?
Alle zwei Jahre werden alle Studiengänge der Aalto-Universität einer Curriculumentwicklung unterzogen – und das gleichzeitig. Dabei werden die strategischen Ziele umgesetzt, die die Hochschulleitung für den aktuellen Turnus setzt; genauso wie die Ideen und Ziele innerhalb der Fakultäten. Jede Lehrperson ist aufgefordert, sich in diesen Prozess einzubringen und wird im Vorfeld zum Thema Curriculum Design geschult. In einem Handbuch für Studiengangsleitende sind alle wesentlichen Ziele, Schritte und Regularien zusammengefasst, die dabei beachtet werden müssen. Zur Seite stehen außerdem Studiengangsmanager*innen, die alle relevanten Daten zum Studiengang im Blick haben. Die wesentliche Entscheidung über das neu gestaltete Curriculum wird im Ausschuss Lehre innerhalb der Fakultäten getroffen.

Zusammenfassung
Die Aalto-Universität bei Helsinki gilt als Vorreiterin in der Sicherung hoher Lehrqualität. Bereits im Bewerbungsprozess werden Lehrkompetenzen durch Lehrproben und Portfolios intensiv geprüft. Neue Lehrende erhalten zunächst befristete Verträge und müssen ihre Weiterentwicklung nachweisen, um dauerhaft angestellt zu werden. Kontinuierliches Feedback – sowohl von Lehrenden an Studierende als auch umgekehrt – ist ein zentrales Element der Qualitätskultur. Am Semesterende werden die Rückmeldungen gemeinsam analysiert und konkrete Verbesserungen abgeleitet. Zudem wird alle zwei Jahre das Curriculum jedes Studiengangs im Rahmen eines umfassenden, partizipativen Prozesses weiterentwickelt. Die Aalto-Universität legt großen Wert auf Interdisziplinarität, Nachhaltigkeit und zukunftsorientierte Lehre – ein inspirierendes Modell auch für deutsche Hochschulen.

 

Alle Bilder: Michael Sommer (CC BY 2.0)

Autor:in

Michael Sommer

michael.sommer@hd-sachsen.de