Das Verbundprojekt Lehrpraxis im Transfer plus fördert fünf Lehr-Lern-Projekte, die in Kooperationen zwischen sächsischen Universitäten und sächsischen Hochschulen der angewandten Wissenschaft stattfinden

Für die achte Projektkohorte wurden 10 Anträge von Verbunduniversitäten und angewandten Hochschulen eingereicht, aus denen der Wissenschaftliche Beirat des HDS gemeinsam mit dem Studentischen Projektbeirat des Verbundprojektes Lehrpraxis im Transfer und dem AK E-Learning vier Lehr-Lern-Projekte auswählte, die von April 2019 bis März 2020 aus Mitteln des BMBF gefördert werden. 

MUVE-STAT. E-Learning-Modul Statistische Grundbegriffe und Grundlagen multivariater Verfahren

Prof. Dr. Maja Dshemuchadse (Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Sozialwissenschaften)

Prof. Dr. Stefan Scherbaum (Technische Universität Dresden, Fakultät Psychologie)

Das Erlernen statistischer Methoden ist für Studierende der Psychologie eine große Herausforderung, besonders in interdisziplinären Studiengängen, wie dem Bachelorstudiengang Kommunikationspsychologie (KP) an der Hochschule Zittau/Görlitz. In der Folge stehen universitäre Masterstudiengänge, wie der Studiengang Human Performance in Sociotechnical Systems (HPSTS) an der TU Dresden vor der Herausforderung, Studierende mit sehr heterogenen Kenntnissen aus vielfältigen Bachelor-Studiengängen zu integrieren mit häufig lückenhaften statistischen Grundkenntnissen. In Folge ist der Aufbau weiterführender Kenntnisse für diese Studierenden eine große Hürde auf dem Weg zum Abschluss.

Als Tandem gehen wir diese Problemstellung in beiden Studiengängen, KP an der HSZG und HPSTS an der TUD an: Das E-Learning-Modul MUVE-STAT unterstützt sowohl die grundständige statistische Methodenlehre im Bachelor KP, als auch das Nachholen der Basiskenntnisse im Master HPSTS. Mit interaktiven Web-Apps und Lehrvideos lädt es zum spielerischen Experimentieren ein und ermöglicht so ein erfahrungsbasiertes Lernen.

KoSemKo - Entwicklung eines kooperativen Seminarmoduls im Konferenzformat

Prof. Dr. Kati Kasper-Brauer (Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Wirtschaftswissenschaften)

Prof. Dr. Margit Enke (Technische Universität Bergakademie Freiberg, Fakultät Wirtschaftswissenschaften)

Ziel des Projekts ist es, Studierenden mit dem Schwerpunkt Marketing die Möglichkeit zu geben, interessante Ergebnisse, die sie im Rahmen ihrer Seminararbeiten selbst entwickeln, in einer professionellen Konferenz-Atmosphäre zu präsentieren. Studierende sammeln dadurch nicht nur erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Schreiben, sondern schlüpfen gleichzeitig als Gutachter/-innen, Vortragende und Teilnehmer/-innen in verschiedene organisatorische Rollen. Dadurch setzen sie sich kritisch und tiefergreifend mit ihren Themen auseinander, indem sie mehrere Perspektiven betrachten. In Summe soll dadurch gleichzeitig die inhaltliche und wissenschaftlich/methodische Komponente der Seminararbeiten verbessert werden. Darüber hinaus üben Studierende das Präsentieren vor einem erweiterten Kreis, in dem die Studierenden des jeweiligen Projektpartners die Rolle des Fachpublikums übernehmen. Zusätzlich besteht im Rahmen der gemeinsamen Abschlusskonferenz die Möglichkeit, sich hochschulübergreifend auszutauschen und zu vernetzen.

Nachhaltigkeit agil lenken - Einsatz und Weiterentwicklung innovativer Kreativtechniken für ein interdisziplinäres und integratives Lehrkonzept im komplexen Ideenraum nachhaltige Stadt

Prof. Dr. Anika Dittmar (Hochschule Mittweida, Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen)

Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold (Technische Universität Chemnitz, Fakultät Wirtschaftswissenschaften)

NACHTIGALL (Nachhaltigkeit agil lenken) ist ein didaktisches Konzept, welches es Studierenden erlaubt, sich auf innovative Weise mit den Kernfragen einer nachhaltigen Entwicklung auseinanderzusetzen. Das Lehr-/Lernkonzept integriert ein agiles Projekt, in dem der Erkenntnisprozess, nach dem Vorbild von IT-Projekten, integrativ im Team vorangetrieben wird. Ziel ist es, den Studierenden zu agilen Fähigkeiten und einer nachhaltigen Problemlösungskompetenz zu verhelfen. Beide gelten als zentrale Voraussetzungen im Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung. Das Lehr-/Lernkonzept wird im Ideenraum „nachhaltige Stadt“ pilotiert, jedoch grundsätzlich adaptierbar konzipiert.
Im Rahmen eines Moduls werden, u.a. durch digitalisierte Lehrveranstaltungen, Fachwissen und v.a. Methodenkompetenzen für die Lösung von Nachhaltigkeitsproblemstellungen erworben. Anschließend werden studentische Projekte initiiert, bei dem Studierende eigene Ideen zu einer Nachhaltigkeitsvision entwickeln, interaktiv ausgestalten und schließlich interdisziplinär bewerten. Die Studiengänge Immobilien- und Facility Management (HSMW), Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften (TUC) arbeiten dabei interdisziplinär und simultan am selben „Werkstück“. Im Thema „nachhaltige Stadt“ können beide Seiten ihre fachlichen und methodischen Fähigkeiten wirksam einbringen und vernetzen sowie voneinander lernen. Die agile Methode SCRUM unterstützt diesen Prozess und lädt auf kreative Weise zum Perspektivenwechsel und Erkenntnisgewinn ein. SCRUM definiert als agile Design Thinking Methode die Art der Zusammenarbeit für interdisziplinäre Teams. Der durch Ergebnisoffenheit entstehende Raum für Kreativität fördert Innovation, eine konstruktive Kultur und beschleunigt gleichzeitig die Ergebnisproduktion.

VirtuaLab - Das virtuelle Labor. Implementierung eines semesterbegleitenden virtuellen Laborpraktikums im Grundlagenfach Technische Thermodynamik

Prof. Dr.-Ing. Jens Morgenstern (Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Fakultät Maschinenbau)

Prof. Dr. Cornelia Breitkopf (Technische Universität Dresden, Fakultät Maschinenwesen)

Ziel des Projektes VirtuaLab (Kooperation von TU Dresden und HTW Dresden) ist der Aufbau eines virtuellen Laborpraktikums als interaktive Lernplattform. Diese soll durch die digitale Visualisierung von Experimenten den Studierenden neben theoretischem Wissen vor allem auch praktische Fä­ higkeiten vermitteln und dem besseren Verständnis des Lehrstoffs dienen. Semesterbegleitend wird dafür ein virtuelles Laborpraktikum implementiert, in welchem die Studierenden parallel zu den Vor­ lesungen und Übungen in einem Blended Learning Angebot neben fachlichen Kompetenzen zu­ sätzlich soziale und methodische Kompetenzen erwerben; vor allem unter Berücksichtigung der Anforderungen einer heterogenen Studierendenschaft

Der Aufbau der einzelnen virtuellen Laborexperimente orientiert sich dabei am Ablauf realer Expe­ rimente. Nach einem Theorieteil, der die grundlegenden Begriffe und Abläufe des thermodynami­ schen Phänomens anhand von Texten, Bildern und Videos erläutert, folgt ein automatisierter Kurz­ test mit Feedbackfunktion über den fachlich erreichten Verständnisgrad. Erst nach erfolgreicher Absolvierung des Assessments beginnt die eigentliche Durchführung des Experiments mit der Er­ mittlung der Messwerte. Mittels intuitiver Bedienung der interaktiven Versuchsoberflächen durch Widgets wie Schaltflächen und Schieberreglern, erschließen sich die Studierenden ein praktisches Verständnis realer Phänomene der Thermodynamik. Dabei wird das Experiment mit Hilfe bereitge­ stellter interaktiver Arbeitsblätter unter Nutzung wissenschaftliche Bibliotheken für Stoffdatenbe­ rechnung, Numerik etc. protokolliert und ausgewertet. Durch die zeitnahe detaillierte Rückmeldung über den Versuchserfolg aufgrund des verringerten Korrekturaufwands, erhöht sich der Verständ­nisgrad der Teilnehmer über den Inhalt des Versuchs deutlich.

Tax Campus 4.0 – Interaktive Lehr-Lern-Umgebung als Lehrkooperation im Bereich der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre in der HS-Region Leipzig

Prof. Dr. Florian Gerstenberg (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen)

Prof. Dr. Carmen Bachmann (Universität Leipzig, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

Ziel des Projektes ist, das Lehrangebot des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre der Universität Leipzig und des Fachgebiets Steuern der Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der HTWK Leipzig im Grundlagenbereich der Steuerlehre zu bündeln und damit die Kapazität für innovative, weiterführende Lehrangebote – insbesondere ein interaktives unternehmerisches Steuerplanspiel (Tax Game) – zu schaffen. Dieses wird eingebettet in eine neue digitale Lehr-Lern-Umgebung (Tax Campus). Geprägt durch die voranschreitende Digitalisierung befindet sich die Steuerfunktion im Wandel: Einfache und standardisierte Tätigkeiten werden verstärkt automatisiert ausgeführt, gleichzeitig steigen regulatorische Vorgaben sowie die Komplexität der Steuergesetze. Der Fokus der Steuertätigkeit verschiebt sich hin zu anspruchsvollen, interdisziplinären Aufgabenstellungen. Diese Veränderungen führen zur Notwendigkeit einer inhaltlichen und methodischen Anpassung der Lehre. Durch die Kooperation können gebündelt neue Inhalte und Formate erarbeitet werden, um den Bachelor- und Masterstudierenden nachhaltig jeweils eine bedarfsgerechte Ausbildung im Bereich der Steuerlehre anbieten zu können. Neben einer kooperativen Neuausrichtung des Lehrstoffes im Bachelorbereich, wird im Masterbereich ein neues Lehrformat in Form einer digitalen Fallstudie entwickelt. Dabei werden steuerliche Unternehmensdaten simuliert, die sich durch externe Ereignisse ändern können. Die Studierenden müssen darauf in Echtzeit reagieren. Auf diese Weise lernen die Studierenden im Zeitablauf die Wirkungen, die steuerliche Regelungen auf unternehmerische Entscheidungen haben, kennen.